Nach meiner Auffassung, Erfahrung und Meinung sollte man ADS bzw.
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung) nicht als eine Erkrankung ansehen, sondern die Betroffenen eher so behandeln, als besäßen sie eine Gabe. Viele Auswanderer, die sich im Laufe der Geschichte dazu entschlossen haben, in die Vereinigten Staaten von Amerika auszuwandern, waren von der Gabe “ADS” betroffen. Was mich zu dieser Aussage verleitet? Ganz ehrlich: Alle Menschen, die mehr wahrnehmen bzw. Menschen, die dies auch zulassen, sind wissbegierig auf das Neuartige. Sie betrachten alles, was ihnen in ihrem Leben begegnet, in allen möglichen Facetten, Formen und Varianten und ziehen alle vorhandenen Möglichkeiten in Betracht. Wäre dem nicht so, könnten sie ihre Komfortzone nicht verlassen. Hätte es diese Entdeckergeister, diese neugierigen Menschen und ihre Gabe im Laufe unserer Geschichte nicht gegeben, so hätten wir neue Kontinente nie entdeckt, wir hätten beispielsweise auch nie das Weltall erkundet und unsere Augen nie geöffnet, um das Verborgene zu entdecken. Alle genialen Erfinder haben etwas gemeinsam. Damit meine ich nicht die bloße Tatsache, dass sie Erfinder waren und Dienste für die Menschheit erbracht haben, Stunden investiert haben, um die menschliche Rasse voranzubringen. All diese Erfinder, Entdecker und Pioniere sind inselbegabt. Sie haben sich ihrem individuellen Thema voll und ganz verschrieben. Sie mögen noch so häufig fallen und Rückschläge einstecken – sie haben eine Vision, einen genauen Plan davon, wie die Dinge einmal aussehen werden. Alle haben sie im Laufe ihres Lebens viele Stolpersteine zu überwinden gehabt. Davon haben sie sich nicht aufhalten lassen. Im Gegenteil: Genau deshalb waren sie erst so erfolgreich. Damals passte keiner in die Schubladen, in die wir in der heutigen Gesellschaft nur allzu gern gesteckt werden und uns nicht selten vorfinden. Meiner Erfahrung nach besteht ein Merkmal von ADS- Betroffenen darin, dass sie sich genau fokussieren und sich auch konzentrieren können. Allerdings nur auf bestimmte Dinge. Auf das, was ihr Interesse trifft. Dann sind sie mitunter auch in der Lage, sich stundenlang zu konzentrieren und sie sind zudem noch extrem gut darin. ADSBetroffene nehmen mit allen Hellsinnen wahr und haben nicht nur das Gehirnareal zur Verfügung, das für das rationale Denken verantwortlich ist (deckt ca. 3 % des menschlichen Gehirns ab), sondern können auch auf das intuitive Gehirnareal zurückgreifen, was etwa 97 % des Gehirns ausmacht. Dadurch können sie extrem viel Input erhalten. Zudem haben ADHS-Betroffene einen extremen Drang, sich zu bewegen. Durch Bewegung haben sie die Möglichkeit, sich etwas zu erden. Sie nehmen ihre Umwelt mit einem 360-Grad- Rundumblick wahr. Bei Legasthenikern ist der Blick hingegen häufig unscharf, wie beim Wahrnehmen einer Aura. Im Leben ecken Menschen mit dieser Gabe nicht zwingend und sofort an. Allerdings gibt es eine Institution, wo es früher oder später dazu kommen wird: die Schule. Das Schulwesen von heute basiert im Wesentlichen auf Vorgaben und Richtlinien, die es zu befolgen gilt. Wer aus dem System herausfällt, hat mit Problemen zu rechnen. Als ich noch Erstklässlerin war, wurden die Klassen 1-4 in einem Klassenzimmer zusammen unterrichtet. Als intuitiver und sensitiver Mensch hatte ich zu meiner Schulzeit damals ein immenses Spektrum an Möglichkeiten. Wie man heute sieht, hat es mir nicht geschadet. Die Lehrer mussten damals einfach etwas flexibler sein, um allen Schülern in der Klasse gerecht werden zu können. Heute stehen Schüler, Eltern, Lehrer, selbst die Schule an sich unter einem enormen Leistungsdruck, der sich fortsetzt, wenn die Schüler die Schule eines Tages verlassen werden. Jeder ist versucht, sich über Wasser zu halten und gibt den Druck an die unterlegene Stelle weiter. So bieten sich wenige Möglichkeiten, um dem eigenen Schüler auf Augenhöhe zu begegnen. Meiner Meinung nach haben nur die unkonventionellen Lehrer den Mut, etwas flexibler zu sein, indem sie auf den Einzelnen eingehen. Leider sind diese unkonventionellen Lehrer heutzutage aber rar gesät. Warum existiert ein solches System überhaupt? Warum gibt es die angesprochenen Richtlinien und Vorgaben? Ganz einfach: Alles, was sich in ein Schema pressen lässt, alles, was in ein Schema passt, lässt sich besser kontrollieren. Dabei stellt sich die Frage, ob wir die höhere Mathematik wirklich benötigen. Und wenn wir viel investieren müssen, um sie zu lernen, verlernen wir dann nicht wortwörtlich das kleine Einmaleins des Alltages? Verlernen wir nicht die Dinge, die im Alltag wirklich relevant sein können, wie zum Beispiel die Anwendung des Dreisatzes? Wenn ich unterwegs bin, begegnet mir viel. Vieles fällt mir auf, beispielsweise die Tatsache, dass vieles, das früher zum Grundwissen gehörte, heute kaum noch abrufbar ist. Vielmehr ist es allgegenwärtig geworden, auswendig gelernte Inhalte auf Papier zu bringen, um sie letzten Endes wieder zu vergessen. Dabei wäre es im Gegensatz dazu ideal, wenn ein Schüler mit einer für ihn stimmigen Methode zu einem guten Ergebnis kommen würde.

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